Die Samenbank

von ritaf &mdash Übersetzung von Usagi77   (in English | Français | Italiano | Español)

Bei der Samenbank (liebevoll auch die "Bank des Samens" genannt…) handelt es sich um einen großen Austausch von Samen, den ich alle Jahre gegen Herbstende organisiere, und an dem sich Teilnehmer verschiedener Gartenbau-Foren aus Italien und dem Ausland beteiligen.

Der Austausch beinhaltet ausschließlich alle Samen des Jahres und ist völlig kostenlos: die einzige Ausgabe ist jene der Briefmarken für den Versand (eine für den Umschlag zum Verschicken und eine für jenen zum Erhalten der Samen). Ich habe den Herbst als Zeitraum gewählt, weil bei vielen Pflanzen die Samen eben am Ende des Sommers ausgereift sind und auch weil der Erhalt einer Samentüte zur Weihnachtszeit immer ein geschätztes Geschenk ist.

Jedes Jahr schicken mir die Teilnehmer Samen aus ganz Italien und manchmal auch aus dem Ausland und die Anzahl an Post, die ich erhalte, ist beeindruckend. Jedes Mal füllt sich mein Wohnzimmer mit kleinen und großen Paketen; unser Pförtner läuft ungläubig, mit Päckchen beladen, die Treppe hoch und runter; meine Tochter ist neidisch, weil ich so viel Post öffnen darf und sie nicht; meine Mutter, die zu Besuch ist, versucht erfolglos den Zustand meines Wohnzimmers zu bemängeln, mein Postkasten quillt über; die Freunde beobachten mich besorgt und versuchen ein paar Tüten zu ergattern.

An einem Jahr war das Durcheinander, das durch das gleichzeitige Eintreten des Weihnachtsfests mit Weihnachtsbaum, Krippe, Geschenken und dem Erhalt der Samentüten entstand so groß, dass ich versehentlich ein Bündel kleiner "Caciocavalli" (Keramikdekoration, welche den so genannten birnenförmigen Käse darstellt) in eine Samentüte gesteckt habe...

Ich habe im Lauf des nächsten Jahres oft an diese winzigen Terracotta-Caciocavalli gedacht, und sie mir außerhalb der Grenzen vorgestellt, vielleicht in Kanada; ich habe mir das verdutzte Gesicht der kanadischen Teilnehmerin vorgestellt, die in ihrem Leben bestimmt noch nie so merkwürdige Samen gesehen hatte, die sogar noch mit Rafiabast gebunden waren. Sicherlich hatte sie nicht den leisesten Schimmer, worum es sich handeln könnte, wer weiß, ob sie das Ganze schließlich ausgesät hat...

Die mittlerweile übervolle und frenetische Samenbank hat jedoch im Kleinen angefangen. Als wir sie zum ersten Mal im Jahr 2001 organisierten, waren wir nur etwa 20 Teilnehmer. Die Namen der Pioniere, d.h. die originalen Nicknames für die Nachwelt, sind die folgenden: Chicca, Esmy, Werther, Noor, Sosò, Brigitta, Alberta, Betty, Morgana, Giam, Gabri50, Pavel, Sandrasos, Elleboro, Constance Spry, Alex, Mitcha, Lisa, Sascia, Eltu.

Trotz kleiner Teilnehmerzahl, war der Erfolg dennoch groß. Man hatte mich dazu angeregt, die Idee von einem amerikanischen Forum aus bekannt zu machen und ich bereitete sorgfältig Samen und Tüten vor: professionell lieferte ich die folgenden Informationen: den italienischen und den lateinischen Namen, die Art, Farbe, Größe sowie die Angaben zur Aussaat; dann wartete ich vertrauensvoll auf die Päckchen der anderen.

Ich war ein wenig besorgt: ich war keine große Pflanzen- oder gar Samenexpertin und beim Öffnen der ersten Tüten dachte ich: „Wer weiß wie professionell die Tüten der anderen sein werden! Sie werden sofort erkennen, dass ich unerfahren bin! Habe ich die Namen wohl richtig geschrieben?"

Die Erleichterung bei der ersten Tüte war groß: Aststücke, formlose Ähren, zahlreiche Schoten, frische Beeren. Auf den (oft selbst gefalteten) Tüten ungenaue Namen wie “gelbe Blume” oder “schöne Kletterpflanze eines Schwagers von meinem Onkel” öfter noch ein Fragezeichen.

So musste ich meine Rolle der ernsthaften Dame mit Brille, die Tüten katalogisiert und diesbezüglich Informationen in der RHS Enzyklopädie sucht, über Bord werfen, und zu jener übergehen, bei der es galt zu schälen, zu enthülsen, zu trocken, Insekten, die wer weiß woher kamen unschädlich zu machen, und schließlich die Samen zu verpacken.

Ich teilte die Verantwortung der Verteilung mit wenigen Wagemutigen: Sosò, Esmy, Annalisa (sebeccamo). Mit rigorosem Fleiß begannen wir uns eine Wunschliste nach der anderen vorzunehmen und den geeigneten Samen zu finden, anfangs wurden die Tüten erst nach langen Beratungen zuerteilt, dann nach dem Prinzip des "allgemeinen Einverständnisses, Hauptsache wir werden fertig" und zum Abschluss mit dem berühmten "Tütenwurf", bei dem den Umschlägen die Tüten durch Zufalls-Würfe aus verschiedenen Abständen zuerteilt wurden. Wir selbst hatten viel Spaß und die Empfänger beklagten sich nicht.

Mittlerweile ist vieles anders geworden, ich bin jedoch eine Traditionalistin und zum Abschluss jeder Samenverteilung nehme ich in paar der übrig gebliebenen Samen und führe mit feierlicher Mine das Ritual des "Tütenwurfs" aus.


Anleitung

Alle die gerne mitmachen möchten, müssen eine e-Mail an bancadelseme@hotmail.it. Senden, um ihre Absicht zur Teilnahme mitzuteilen, wenn die Samenbankaktion des laufenden Jahrs gestartet wird (im allgemeinen gegen Oktober/November). Um zu wissen, wann es soweit ist, braucht man nur das Forum im Auge zu behalten: zum richtigen Zeitpunkt werde ich dort eine Anzeige veröffentlichen.

Wenn Ihr wortkarg seid, ist es ausreichend in der Mail einfach "ich möchte teilnehmen" zu schreiben, Ihr müsst jedoch mit Euerem richtigen Namen unterzeichnen, den Nickname und eventuell das Forum angeben, dem ihr angehört. Ich werde Euch antworten und die Adresse angeben, an die Ihr Euere Samen schicken könnt. Die Samen müssen ziemlich schnell bei mir eintreffen (bedenkt, dass ich sie dann verteilen muss und dazu viel Zeit brauche); normalerweise lege ich immer eine maximale Frist fest, die etwa zwei/drei Wochen ab Beginn der Samenbankinitiative abläuft. Es ist ratsam die Samen in einem gepolsterten Umschlag und möglichst als prioritäre Sendung zu verschicken.

Das Päckchen sollte folgendes enthalten:

  • Die Tütchen mit Eueren Samen. Die Tütchen müssen als “Einerpackung” abgefüllt sein und Ihr müsst auf ihnen den Namen der Pflanze angeben (falls Ihr den lateinischen kennt, ist das besser, um Verwechslungen zu vermeiden); die Pflanzenart (einjährige Pflanze, Kletterpflanze, Baum, u.s.w.); die Farbe und alle anderen Informationen, die nützlich sein könnten. Mit "Einerpackung" meine ich, dass Ihr die Samen von jeder einzelnen Pflanzenart in kleine Portionen unterteilen sollt und jede Portion in eine Tüte abfüllen sollt. Jede Tüte/Portion wird dann an einen anderen Teilnehmer verschickt.
  • Ein leerer Umschlag mit Euerer Adresse, in der die Briefmarken für die Rücksendung enthalten sind. Auf der Site der Post sind die Tarife angegeben: prioritär ist ratsam, jedoch nicht obligatorisch. Ihr könnt als Maßstab das Gewicht des Päckchens nehmen, dass Ihr mir sendet, bedenkt jedoch, dass ich normalerweise mehr zurückschicke, als ich erhalte. Es ist auf jeden Fall besser, wenn Ihr die Briefmarken nicht auf den Umschlag klebt, denn manchmal werden pessimistisch winzige Umschläge mit schon aufgeklebten Briefmarken für die Rücksendung beigelegt und ich bin nicht besonders gut darin, diese wieder abzubekommen!
  • Ein Blatt, auf dem Ihr mir Euere Vorzüge und Wünsche aufschreibt (Klima, Standort; ob Ihr Pflanzen für Container oder den Boden braucht, ob es ausdauernde Pflanzen, Gewürz- oder Tropenpflanzen sein sollen..). Nennt ruhig auch ein paar Namen mehr, je größer die Auswahlmöglichkeiten sind, die Ihr mir gebt, desto größer ist die Chance, dass ich Euch zufrieden stellen kann, denn es ist nicht gesagt, dass ich immer alles erhalte, was Ihr gerne hättet. Also macht keine Komplimente: es ist mir immer lieber deutliche Anfragen zu erhalten, dann habe ich nicht das Problem an Euerer Stelle eine Wahl treffen zu müssen. Es ist überaus wichtig zu betonen, was man NICHT möchte: so macht man kurzen Prozess und alles wird einfacher.
  • Falls Euer Nick nicht mit euerem Namen übereinstimmt, und Euere e-Mail-Adresse weder mit dem Nick noch mit dem Namen übereinstimmt, bitte ich Euch mit Name, Nick und e-Mail-Adresse zu unterzeichnen. Solltet Ihr nur sehr wenige oder sogar überhaupt keine Samen haben, lasst Euch nicht entmutigen. Eines der Hauptziele der Samenbank liegt darin, die Leidenschaft für die Saat zu wecken und es ist nicht wichtig viel zu geben, um teilnehmen zu können. Ich bin mir sicher, dass Ihr im Lauf der Jahre fleißige Säer werdet und dann viele Samen habt, die Ihr an uns schickt.

Sobald ich alles erhalten habe, werde ich zur Sortierung und Verteilung übergehen und die Samen an Euch schicken. Ich hoffe, dass auch in diesem Jahr die Teilnahme groß sein wird.


FAQ über die Samenbank

  • Wie viele Briefmarken sollte man beilegen ?

    Da viele danach fragen, wie viele Briefmarken sie für die Rücksendung beilegen sollen, rate ich Euch die Tarife der Site der Italienischen Post zu entnehmen, bedenkt dabei, dass die gepolsterten Umschläge, die angeraten sind, da in ihnen die Samen nicht verdrückt werden, im Allgemeinen nicht als normales Format gelten.

    Damit nichts übrig bleibt, werde ich die Reste unter allen verteilen, deshalb könnt Ihr davon ausgehen, dass Ihr mehr erhalten werdet, als Ihr sendet. Sollte Ihr an dieser Restverteilung nicht interessiert sein, so vermerkt dies auf Euerer Liste. Auch wenn Ihr die Samen nicht braucht, könnt Ihr sie immer einem Nachbarn mit tristem Garten oder einer netten alten Dame schenken, die nur ein paar Töpfe vor ihrer Tür stehen hat, die jedoch üppig wie im Dschungel gedeihen, oder ihr könnt sie mit einem anderen Pflanzenliebhaber tauschen, oder sie auf einer Verkehrsinsel verstreuen, es gibt wirklich viele Verwendungsmöglichkeiten. Wenn ihr die Briefmarken nicht direkt auf den Rückumschlag klebt, sondern Sie beilegt, kann ich Euch die eventuell übrig gebliebenen mit zurückschicken.

    Falls Ihr die übrig gebliebenen Briefmarken nicht zurück wollt, sondern sie freundlicherweise zugunsten jener, die keine Briefmarken oder dementsprechende Eurowerte beilegen können (Länder außerhalb der EU), als Geschenk überlassen möchtet, so schreibt das bitte in Euerem anliegenden Brief.

  • Welche Tüten sollte man für die Samen verwenden ?

    Um die Tüten zu verwirklichen, könnt Ihr die Materialien verwenden, die für Euch am bequemsten sind. Man kann in Sammlergeschäften (für Hobby- oder Basteln) kleine Plastiktüten mit Druckverschluss finden, welche in verschiedenen Formaten verfügbar sind. Sie sind bequem und praktisch und man kann auch ein Kärtchen mit allen Informationen zu den Samen in sie hineinstecken.

    Andernfalls könnt Ihr die Samen auch in zu Tüten gefaltete Aluminiumfolie stecken und diese dann in einem normalen Papierumschlag (im Kleinformat, wie jene, die für Glückwunschkärtchen verwendet werden) zusammen mit den Informationen über die Samen unterbringen.

    Einige Teilnehmer haben in den Vorjahren eine Dreieckstüte gebastelt, indem sie ein quadratisches Blatt in der Hälfte gefaltet haben und die Seiten dann zusammengefaltet und geklebt haben. Auch diese Tüte funktioniert, sie ist jedoch arbeitsaufwendiger und erfordert Zeit und Geduld, zudem müsst Ihr auch darauf achten, dass sich auf Eueren Fingern keine Klebstoffreste befinden, sonst bleiben die Samen an ihnen hängen. Andere wiederum haben wunderschöne mit kunstvollen Zeichnungen dekorierte Tüten mit detaillierten Informationen verwirklicht.

  • Wie viele Samen soll man pro Tüte vorsehen ?

    In jede Tüte müsst Ihr die Samen einer einzelnen Sorte stecken. Falls Ihr viele Samen pro Pflanzensorte habt, könnt Ihr mehr als eine Tüte vorbereiten. Aus wie vielen Samen sollte eine Portion bestehen? Das hängt vor allem davon ab, wie viele Samen Ihr habt: wenn Ihr über viele Samen verfügt und der Samen weit verbreitet ist, könnt Ihr großzügige Portionen machen.

    Wenn die Samen wenige sind und nur für eine Person reichen, dann werdet Ihr nur eine Tüte vorbereiten. Wenn Ihr beispielsweise Lunaria Annua Samen habt, könnt Ihr Tüten mit jeweils zehn Samen davon abpacken; sollet Ihr über winzige Salbeisamen verfügen, dann teilt die Portionen nach Augenmaß ein und füllt Portionen in der Menge einer Teelöffelspitze ab; bei Ipomea-Samen könnt Ihr wenige davon in die Tüte tun, denn sie haben große Keimwahrscheinlichkeiten; während Ihr bei Pandorea- Samen großzügig bei den Portionen sein solltet, da diese nur sehr schwer keimen.

    Es hängt also alles davon ab, wie viele Samen Ihr habt und von welcher Qualität diese sind: wenn Ihr über viele Samen verfügt, dann könnt Ihr schön "dicke" Tütchen machen; wenn Ihr Euch der Keimfähigkeit der Samen nicht sicher seid, dann seht lieber ein paar mehr von Ihnen für eine Portion vor.

  • Wann sammelt man die Samen ein ?

    Die Samen werden eingesammelt, wenn sie voll ausgereift sind, d.h. sie sollten nicht grün, sondern braun und glänzend sein. Die Form und die Farbe des reifen Samens hängen von der Pflanzensorte ab, wie auch der Zeitpunkt zu dem sie eingesammelt werden können. Falls Ihr Zweifel habt, könnt Ihr im Forum um Rat fragen oder Euch in Internet dokumentieren. Grob gesagt ist der richtige Zeitpunkt dann gegeben, wenn die Samen anfangen von alleine herunterzufallen und der Wind sie davonträgt.

    Nach dem Einsammeln sollten die Samen einige Tage in einem offenen Behälter aufbewahrt werden, damit sie von Reif und Regen trocknen und an Feuchtigkeit verlieren; andernfalls könnten sie bei sofortigem Abpacken anfangen zu schimmeln. Wenn Ihr die Samen sammelt, versucht sie von Blumenresten oder der sie umhüllenden Kapsel zu befreien.

  • Darf ich mitmachen, auch wenn ich keine Samen zuschicke ?

    Wenn Ihr keine Samen habt, und dennoch teilnehmen möchtet, um ein paar davon zu erhalten, so könnt Ihr dies tun. Normalerweise erhalte ich immer viel mehr Samen, als Anfragen danach, deshalb ist der Versand problemlos möglich. Es ist auch eine gute Gelegenheit für den Einstieg: ich bin mir sicher, dass Ihr in den Folgejahren viele Samen haben werdet, die Ihr an uns schicken könnt.


Weblinks


11 ottobre 2007 in Oltre il giardino